Vorbericht 343

Unbekannter Neapelblick von C.W. Götzloff

Nach unserer sehr erfolgreichen Sommerauktion mit dem Spitzenzuschlag von 220.000,- für eine kleinformatige Kupfertafel der portugiesischen Barockmalerin Josefa de Óbidos komplettieren wir unser Jubiläumsjahr anlässlich des 90jährigen Bestehens mit einem umfangreichen Angebot aus den verschiedenen Sammlungsbereichen in der bevorstehenden Herbstauktion am 4./5. Oktober.

An der Spitze der Gemäldeofferte steht die großformatige, bislang unbekannte Darstellung "Blick auf den Golf von Neapel" (14.000,-) des Dresdner Landschaftsmaler Carl Wilhelm Götzloff, die sich seit mindestens den 1950er Jahren in Privatbesitz befindet. Wie viele seiner deutschen Künstlerfreunde zog es auch Götzloff nach seiner Ausbildung nach Italien, wo er von 1825 bis zu seinem Tod 1866 für private Auftraggeber, aber zeitweise auch im höfischen Auftrag für Ferdinand II. arkadische Landschaften am Fuß des Vesuvs schuf. Seine pittoresken und idealisierten Werke schildern vielfach das städtische Leben mit folkloristischen Genregruppen in volkstümlichen Kostümen. Die Darstellung entfaltet ihre Wirkung durch die Kombination der farbenfrohen, tanzenden Neapolitaner im Vordergrund mit der in warmes Licht getauchten Küstenszenerie des Golfs von Neapel im Hintergrund.

Von dem Darmstädter Hofmaler Johann Christian Fiedler stammt das Gemälde "Dame im Park", die gemeinsam mit einem höfischen Paar einem Flötenspieler lauscht (1.400,-). Nur wenige Allegorien und Genredarstellungen sind von dem ursprünglich aus Pirna stammenden Künstler bekannt, der vorwiegend Porträts der höfischen Gesellschaft schuf. Ebenfalls im 18. Jh. geschaffen und Joseph Highmore alt zugeschrieben wird das großformatige "Porträt einer jungen Dame mit Miniaturporträt" nach langjährigem Familienbesitz angeboten (3.000,-).

Bei dem Gemälde „Wehr mit Enten“ kombiniert Alexander Koester sein Lieblingssujet Enten mit der gekonnten Darstellung von Wasser. Durch facettenreichen Pinselstrich und zahlreichen Farbnuancen von Blau-, Grün- und Brauntönen gestaltet er hier meisterlich unterschiedlich bewegte Wasseroberflächen von ruhig schimmernd bis zu dynamisch bewegt (8.000,-).

Ebenso stimmungsvoll und atmosphärisch überzeugend präsentieren sich die Gemälde "Mit vollem Segel" von Hans Dahl (2.000,-); "Spaziergang im Winterwald" von Walter Moras (2.400,-) und die intime Szene einer "Jungen Dame vor einem Spiegel" des griechischen Impressionisten Oumbertos Argyros (2.200,-).

Bereichert wird die Gemäldeofferte zudem durch eine interessante Teilauflösung einer Sammlung von 45 Industriebildern mit Motiven aus Arbeit und Technik, vorwiegend geschaffen Ende des 19. Jh. / 1. Hälfte des 20. Jh., z.B. von Conrad Felixmüller („Deputatkohle“, Pastell), Frans Masereel („Hamburger Hafen“, Gouache), Erich Mercker (2x „Bau des Nürnberger Reichsparteitagsgeländes“, Öl), Carl Meffert („Arbeiterfrau mit Kind“) und vielen anderen.

Liebhaber der modernen und zeitgenössischen Kunst dürfen sich über die Grafiken "Mädchen am Meer" von Erich Heckel (4.200,-), "Kopf im Profil" von Karl Schmidt-Rottluff (3.000,-) und die beiden Radierungen "Eau-Forte XXV" und "Eau-Forte XVII" von Pierre Soulages freuen. Letzterer feiert dieses Jahr seinen 100. Geburtstag, gilt als Meister der Farbe Schwarz und schuf mit diesen Arbeiten zwei spannungs- und vergleichsweise farbintensive Grafiken (jeweils 3.500,-).

Darüber hinaus sei hingewiesen auf eine 227 Lots starke Offerte an vorwiegend englischem, russischem, dänischem und deutschem Silber des 18. bis Anfang 20. Jh. und auf umfangreiches hochwertiges Porzellan, beispielsweise eine Sammlung Royal Kopenhagen, 19./20. Jh., überwiegend Sächsische Blume sowie Figuren, Service und Einzelteile der Manufakturen Meissen, KPM Berlin und anderer. Von Meissen hervorzuheben ist eine Gruppe, "Schäferin mit Laute und Kavalier", 1740er Jahre (1.500,-); ein "Harlekin mit Kanne"(600,-) und die Figur „Tartaglia"aus der Commedia dell'Arte, (600,-) sowie aus St. Petersburg ein Porzellan-Ei "La prise de Corfou" von 1799 (400,-).

Auch der Schmuckbereich geht mit einer sehr großen Auswahl antiker bzw. hochwertiger moderner Pretiosen, insbesondere auch aufwändiger Brillantschmuck, an den Start.

Neben vielen Barock- und Biedermeiermöbeln, wie einem Ulmer Dielenschrank, um 1700, mit intarsierten Türen (2.400,-); einem norddeutschen Aufsatzsekretär, 18. Jh., Nussholz mit Bandeinlagen (2.500,-) und einem reich intarsierten barocken Spieltisch, 18. Jh. (1.500,-) sind dieses Mal auch Designermöbel im Angebot, z.B. ein Paar Armlehnstühle, 'The Spanish Chair', Design Børge Mogensen (400,-).

Im Bereich der alten und antiken Teppiche aus dem Iran, dem Kaukasus und der Türkei sollte besonders auf einen ausgefallenen Heriz, Anfang 20. Jh., ca. 3.55 x 2.60 m (300,-), einen übergroßen alten Täbriz, ca. 5.86 x 3.96 m (2.000,-) und einen Konya mit der Darstellung der Mevlânâ-Moschee in Konya, ca. 2.10 x 1.40 m (500,-) verwiesen werden.

Das Angebot wird abgerundet durch Afrikana und Asiatica, beispielsweise eine Sammlung ausgefallener Cloisonne-Objekte des 19./20. Jh., diverse Glasobjekte und Militaria wie ein

Paar Scheibenpistolen, Deutsch, um 1835, Gräflich Fürstenbergisches Wappen mit Herstellersignatur "Teutenberg Hüsten" (2.800,-).