Vorbericht 342

Josefa de Óbidos

Derzeit feiern Kunstgeschichte und Kunstmarkt die Wiederentdeckung bemerkenswerter Künstlerinnen vergangener Jahrhunderte, die nun mit Überblicks- und Einzelausstellungen sowie beeindruckenden Auktionsergebnissen entsprechend gewürdigt und in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden. Wir freuen uns daher besonders, ein bislang gänzlich unbekanntes, spannendes Werk der portugiesischen Malerin Josefa de Óbidos (1630-1684, auch Josepha de Ayala) anbieten zu können. Für die portugiesische Barockmalerei sind Werke dieser Künstlerin von außerordentlicher Bedeutung. Ihr zu Ehren veranstaltete das Museu de Arte Antiga in Lissabon 2015 die Sonderausstellung „Josefa de Óbidos und die Erfindung des portugiesischen Barocks“. Wie ihr Vater Baltazar Gomes Figueira, Begründer der Stilllebenmalerei in der portugiesischen Kunst, wurde sie für ihre qualitätsvollen Stillleben und religiösen Motive bis in die höchsten Kreise der Aristokratie verehrt. Nur selten sind Werke dieser bedeutenden Pionierin auf dem Kunstmarkt vertreten. Das 1667 datierte Gemälde „Anbetung des Kindes“ vereint das religiöse Motiv mit der Darstellung eines Früchtestilllebens und besticht durch intensive Farbigkeit und eine besondere Intimität (25.000,-).

Auf großes Interesse der Liebhaber von Altmeistern dürfte auch das Gemälde der "Muttergottes mit Kind" stoßen, dessen Stil und Darstellung für eine Entstehung im Umkreis des bedeutenden Antwerpener Manieristen Pieter Coecke van Aelst sprechen. Die prächtige Tafel zeigt ein mit einem Vogel spielendes Jesuskind auf dem Schoß Mariens, im Hintergrund öffnet sich der Blick auf eine weite flämische Landschaft (3.500,-). Auch niederländische Maler des 17. Jh. sind vielfach vertreten, beispielsweise mit einem  "Stillleben mit Römer und chinesischer Porzellanschale" (1.500,-), Egbert van der Poels  "Feuersbrunst" (1.400,-); Pieter Coopses "Marine" (1.200,-) oder einer "Landschaft mit Hirten", die Dirck van Bergen zugeschrieben ist (1.500,-). Ob es sich bei der ebenfalls angebotenen großformatigen Darstellung tatsächlich um den "Raub der Sabinerinnen" handelt, bleibt noch genauer zu erforschen. Die Zuschreibung zu dem  Darmstädter Hofmaler Johann Conrad Seekatz scheint für das aus langjährigem Privatbesitz stammende Gemälde sehr sicher zu sein. Josef Straßer datiert die Darstellung in die Spätzeit des Künstlers um 1765, zeitgleich mit den von Seekatz geschaffenen Supraporten für Schloss Braunshardt (8.000,-).

Traditionell ist auch diesmal wieder das 19. Jh. besonders gut vertreten mit qualitätsvollen Gemälden von Josef Scheurenberg, "Die Werbung" (1.800,-); Eduard Fechner, "Zwei Mädchen mit Seifenblasen" (2.500,-); Otto Piltz, "Junge Frau bei der Handarbeit" (1.600,-); Rudolf Epp, "Nähendes Mädchen" (1.400,-); Franz v. Defregger, "Dirndl" (2.800,-); Carl Jutz d.Ä., "Vor dem Hühnerhof" (2.800,-); Theodor von Oer, "Im Gebirge bei Civitella" (1.800,-) und vielen anderen. Darüber hinaus kommt in der umfangreichen Gemäldeofferte ein großformatiges pointilistisches Gemälde von Carl Schmitz-Pleis zum Aufruf, das eine träumende, am Fenster sitzende junge Frau mit Ausblick auf einen Park zeigt (2.800,-). Dieses Gemälde wie auch Johann Jakob Diezlers sehr großformatiger "Blick auf die Godesburg und das Siebengebirge" (3.000,-) sowie Carl Rüdells farbenfroher "Sonntagskaffee vor der Gierather Mühle bei Bergisch Gladbach" (1.400,-) dürften auch für den lokalen Markt von besonderem Interesse sein. Ebenfalls aus langjährigem Privatbesitz stammen zwei russische Triptychen des 17. Jhs., darunter eine Darstellung Johannes des Vorläufers mit verschiedenen Szenen aus seiner Vita (2.800,-). Für den Bereich der Moderne seien hervorgehoben mehrere handsignierte Grafiken von Marc Chagall, Andy Warhol und George Braque sowie eine Gouache "Roter, gelber Mohn und Vergissmeinnicht" von Klaus Fussmann (1.400,-).

Bei den Bronzen fallen zunächst fünf teils großformatige Bronzen Bruno Brunis ins Auge, die aus einem Privatbesitz stammen: "La Onda/Die Welle", "La Bella/Die Schöne", "Der Kuss/Umarmung/Abschied",  "Quasi Nuda" und  "Cenerentola/Aschenputtel" (1.800,-/1.600,-/1.200,-/1.100,-/800,-), aber auch A.M. Wolffs "Kosakenpaar zu Pferd" (1.000,-) und "L'Accolade/Groupe de chevaux arabes" von P.J. Mène (1.400,-).

Wir feiern in diesem Jahr unser 90-jähriges Geschäftsjubiläum. Dem Anlass entsprechend präsentiert sich nicht nur das Gemäldeangebot, sondern auch die Sparte der antiken Möbel mit einem Frankfurter Wellenschrank, um 1700 (2.400,-) und einem kleinen Tabernakel-Sekretär, Braunschweig, Mitte 18. Jh., mit Intarsien (2.500,-), beide Nussholz sowie einem seltenen Teetisch mit Fayence-Platte, Schweden, Rörstrand, um 1770, mit floralem Blaudekor (12.000,-). Weiterhin finden sich zahlreiche Sekretäre, Kommoden, Vitrinen, Schränke, Sofas, Stühle und anderes mehr aus Barock und Biedermeier, teils in sehr gutem Zustand.

Auf interessierte Bieter warten insgesamt 242 Positionen altes und neuzeitliches Silber, wie beispielsweise ein Paar Karyatiden-Leuchter, Nürnberg, um 1808-1818 (1.000,-); eine Platte, Augsburg, 1775-1777, Meister Christian Drentwett II (500,-); eine Kaffeekanne, London, 1744, Birnform (280,-) sowie eine hübsche Singvogeldose, Triberg, wohl 1930er Jahre, Karl Griesbaum (800,-). Im diesmaligen Auktionsangebot hervorzuheben sind ausgefallene Einzelstücke, Figuren, Vasen, Schalen, Tassen und Teller besonders der Manufakturen Meissen und KPM Berlin wie z.B. eine Vase, Meissen, um 1750, Balusterform, mit plastischen Blüten, Bronzerand und -sockel, 22.5 cm hoch (1.200,-); eine Prunkvase, Meissen, mit Volutenhenkel und Blumenmalerei, 60 cm hoch (1.500,-); ein Paar Balustervasen, Meissen, 19. Jh., purpurfarben, 48 cm hoch (1.500,-); eine Deckelvase, "Brûle-Parfum", Meissen, 1. Hälfte 19. Jh., plastische Blüten, 40.5 cm hoch (800,-); die Porzellanfigur, "Fischer", Meissen, Modellentwurf von Hermann Hultzsch, 53.5 cm h. (1.000,-); eine Pendule, KPM Berlin, 19. Jh. mit reich dekoriertem Gehäuse in Rokokoform (1.200,-) sowie mehrere Bildplatten von Meissen und KPM Berlin.

Im Teppichbereich sind neben mehreren alten und hochwertigen Teppichen aus Persien, dem Kaukasus und der Türkei vor allem ein Aubusson-Teppich, 19./20. Jh., mit reichem floralen Dekor, ca. 4.94 x 3.25 m (1.200,-); ein antiker Heriz, ca. 3.97 x 2.92 m (800,-) sowie einige Seidenbrücken Hereke hervorzuheben. Abgerundet wird das Angebot unter anderem von umfangreichem Schmuck,  Armband- und Taschenuhren sowie Asiatica, Afrikana, Großuhren und Jugendstil-Glas.